Sartre „Geschlossene Gesellschaft“

Ines, Estelle und Garcin werden nach ihrem Tod - davor hatten sie nichts miteinander zu tun - von einer rätselhaften Figur in einen Raum eingewiesen, der sich im doppelten Sinn als Hölle erweist. Sie können von dort nicht mehr entfliehen und auch dem Blick des Anderen nicht entkommen. Sie sind einander auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Erst nach vielen Ausflüchten stellt sich nach und nach heraus, wie jeder Einzelne auf der Erde gelebt hat, wie es zu seinem Tod kam und welche Spuren hinterlassen wurden. Die drei Protagonisten suchen nun zwanghaft nach Selbstbestätigung und können der Wahrheit über das eigene Leben kaum ins Auge schauen. Alles scheint sich auf schmerzliche Weise im Kreis zu drehen.....

 

Regisseurin Rena Seifert

Ich bin Rena Seifert. Meine Faszination für das Theater brach sich vor etwa zehn Jahren richtig Bahn: eine Weiterbildung im Darstellenden Spiel eröffnete mir einen spannenden Gestaltungsraum als Leiterin einer Theater-AG am Gymnasium am Wall in Verden sowie als Lehrerin für Darstellendes Spiel in der Oberstufe. Zahlreiche abendfüllende
Theateraufführungen und Werkschauen hinterließen ein buntes Repertoire an Erfahrungen. So wurde ich immer mutiger Neues und Ungewöhnliches auszuprobieren. Je mehr Herausforderung, desto spannender – getreu diesem Motto bin ich nun in die Theaterarbeit mit Erwachsenen eingestiegen und arbeite seit kurzem voller Neugier mit dem gerade gegründeten Kleinen Ensemble von ROLLENTAUSCH an Jean-Paul Sartres Stück GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT.


Warum dieses Stück? Schon seit längerer Zeit gab es von Seiten einiger Ensemblemitglieder von ROLLENTAUSCH den Wunsch, mit einer kleinen Gruppe eine Art Kammerspiel zu inszenieren und sich in neuer Konstellation intensiv auszuprobieren. Mit drei Frauen und einem Mann, begleitet von dem Wunsch nach einem ernsten und philosophischen Stoff, war die Stückauswahl schnell besiegelt: Sartres Drama GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT sollte es sein. Hier werden auf gnadenlose Weise Figuren gezeigt, die gefangen sind in ihren Zwängen, Abhängigkeiten und Egoismen – ein zeitloses Thema. Unsere Aufgabe sehen wir darin, eigene Antworten zu finden auf die existenzialistische Philosophie Sartres, die den Menschen als ins Dasein hineingeworfen sieht und zur eigenen Freiheit verdammt. Nichts ist dem Menschen vorgegeben, keine Werte, keine Normen. Allein aus sich selbst heraus muss er seinen Lebensentwurf hervorbringen und seine Vorstellung vom Guten, in ständiger Auseinandersetzung mit sich und der Welt. Wer Handlungen durch die eigenen Leidenschaften entschuldigt oder eine Vorbestimmung bemüht, ist nach Sartre ein Mensch von schlechtem Willen, der sich selbst etwas vormacht oder vor sich selbst flieht.